„Welches Gerüst brauche ich eigentlich für meine Fassade?" — diese Frage höre ich täglich von Hausbesitzern vor der Sanierung, von DIY-Renovierern beim Heimwerker-Projekt und von kleinen Handwerksbetrieben, die zum ersten Mal kaufen wollen. Die Antwort hängt von vier Variablen ab: Höhe, Last (Personen + Material), Standdauer und Budget. Dieser Ratgeber stellt die fünf wichtigsten Gerüstbauarten gegenüber — mit klarer Entscheidungs-Matrix am Ende, damit Sie nicht das falsche System bestellen.
Das klassische Fassadengerüst ist die häufigste Bauart für Wohngebäude-Sanierung. Aus genormten Stahlrohren (48 mm Durchmesser) und Kupplungen aufgebaut, mit Schaltafel- oder Stahl-Belägen ausgefüllt. Lastklasse 3 (200 kg/m²) als Standard nach DIN EN 12810.
Für die meisten privaten Sanierungs-Projekte ist Fassadengerüst die richtige Wahl. Aktuelle Angebote: Gerüst mieten oder Gerüst kaufen.
Modulgerüste sind steckbare Systemgerüste mit standardisierten Rohren und Knotenpunkten. Layher Allround und Plettac Perfect sind die dominanten Marken im deutschen Profi-Segment. Vorteil gegenüber klassischen Stahlrohrgerüsten: schnellerer Aufbau (kein Kupplungs-Verschrauben), höhere Traglast (Klasse 6 bis 600 kg/m²) und flexiblere Geometrien (Eck-Aufbauten, Auskragungen, freistehende Türme).
Für Handwerksbetriebe mit kontinuierlichem Großprojekt-Einsatz lohnt sich der Modul-Kauf in 2–3 Jahren. Für Privatkunden bei klassischer Fassadensanierung overengineered und teurer als nötig.
Rollgerüste sind fahrbare Aluminium-Konstruktionen mit Rollen — schnell positionierbar, leicht im Transport, ideal für mobile Einsätze und Innenarbeiten. Krause Stabilo, Hymer Pro und Zarges-Modelle dominieren das deutsche DIY- und Profi-Handwerker-Segment.
NICHT geeignet für: Großflächige Fassadensanierung, Mauerwerker (zu schmale Plattform), Außen-Einsätze auf weichem Boden ohne Bodenplatten.
Hängegerüste werden von oben abgehängt — entweder von der Dachkante oder von speziellen Auslegern. Standard bei Brücken-Sanierung, Hochhaus-Wartung, schwer zugänglichen Innenhöfen oder Wasserflächen unter dem Bauwerk.
Für Privatkunden praktisch keine Anwendung — fast immer Profi-Beauftragung sinnvoll.
Faltrollgerüste sind kompakte Aluminium-Konstruktionen, die sich für PKW-Transport zusammenklappen lassen. Krause Corda, Zarges Multimaster und Hymer-Modelle haben das Segment definiert. Reichhöhe meist bis 4 m, Lastklasse 2 (max. 100 kg/m²) — also nur 1 Person plus leichtes Werkzeug.
NICHT geeignet für: Fassadensanierung an mehrgeschossigen Häusern, mehrere Personen gleichzeitig, Maurerarbeiten, längere Einsätze über 1 Woche (Stabilitäts-Begrenzung).
Die Entscheidung in 4 Fragen:
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Reicht ein Rollgerüst für die Fassadensanierung an meinem Einfamilienhaus?
Nur bei sehr niedrigen Häusern (Bungalow, eingeschossig). Sobald die Fassade über 5-6 m Höhe hat, ist ein klassisches Fassadengerüst sicherer und schneller — Rollgerüst muss alle 2-3 m umgesetzt werden, was Zeit kostet und Arbeitsplattformen verkürzt.
Kann ich ein Modulgerüst auch für kleine Häuser verwenden?
Ja, technisch — aber es ist 30-40 % teurer als nötig. Modul-Systeme (Layher Allround) lohnen sich erst bei Großbauten, freistehenden Türmen oder hoher Lastklasse. Für Einfamilienhaus-Sanierung ist das klassische Fassadengerüst die wirtschaftlichere Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen Lastklasse 3 und 4?
Lastklasse 3 erlaubt 200 kg/m² Belag-Last (1-2 Personen + leichtes Werkzeug). Lastklasse 4 erlaubt 300 kg/m² (3 Personen oder Maurer mit Steinen). Klasse 4 erfordert breitere Beläge (mindestens 90 cm) und ist Standard bei Mauerwerker-Arbeiten.
Brauche ich für ein Rollgerüst einen Sachkundenachweis?
Nein, für Rollgerüste bis Lastklasse 3 reicht die Hersteller-Aufbau-Anleitung. Für gewerblichen Einsatz Pflicht: Einweisung der Mitarbeiter und jährliche Sichtprüfung. Detail-Vorgaben im Ratgeber Gerüst aufbauen.
Wann ist ein Hängegerüst die einzige Lösung?
Wenn der Boden unter dem Bauwerk nicht zugänglich ist — z. B. Brücken über Wasser oder Schluchten, Hochhaus-Wartung über belebtem Gehweg, Industrieschornsteine. Hier ist Hängegerüst die einzige technisch sinnvolle Lösung — trotz höherem Preis und Statik-Aufwand.
Was kostet Gerüst-Beratung durch einen Profi?
Erstberatung bei seriösen Profi-Gerüstbauern ist meist kostenlos im Rahmen der Angebots-Erstellung. Detaillierte Statik-Berechnung 200-600 € einmalig, individuelle Konstruktion (Sonder-Geometrien) 500-2 000 €. Bei größeren Projekten zahlt sich die Beratung mehrfach aus.
